Der Apfel

Der Kulturapfel (Malus domestica) stammt ursprünglich aus Zentralasien, genauer gesagt aus der Region des Tian-Shan-Gebirges im heutigen Kasachstan, nahe der Grenze zu China.

Die Abstammung und Verbreitung

  • Der Ur-Apfel (Malus sieversii): Genanalysen zeigen, dass der Asiatische Wildapfel der Hauptvorfahre fast aller heutigen Kulturäpfel ist. In den Bergwäldern Kasachstans wachsen bis heute wilde Apfelbäume, deren Früchte überraschend groß und süß sind. Selbst der Name der ehemaligen kasachischen Hauptstadt Almaty bedeutet übersetzt „Reich an Äpfeln“.

  • Verbreitung über die Seidenstraße: Händler, Nomaden und Tiere (wie Pferde und Bären) aßen die Äpfel und verbreiteten die Samen entlang der alten Handelsrouten nach Westen Richtung Vorderasien und Europa.

  • Einkreuzung europäischer Wildäpfel: Auf dem Weg nach Europa kreuzte sich der asiatische Apfel in geringem Maße mit heimischen Wildarten wie dem europäischen Holzapfel (Malus sylvestris), was die Sortenvielfalt weiter vergrößerte.

  • Kultivierung durch Griechen und Römer: Die Griechen und später die Römer perfektionierten den gezielten Anbau und die Veredelung (Pfropfen) von Apfelsorten. Die Römer brachten diese Techniken schließlich auch nach Mitteleuropa und Deutschland.

Der europäische Holzapfel (Malus sylvestris) ist eine heimische Wildart Mitteleuropas, während der heutige Kulturapfel (Malus domestica) von ostasiatischen Wildformen abstammt und über Jahrtausende auf Ertrag und Geschmack gezüchtet wurde.

Merkmal Holzapfel (Malus sylvestris) Kulturapfel (Malus domestica)
Geschmack Sehr sauer, herb und extrem adstringierend (zusammenziehend) Süß, ausgewogen säuerlich, saftig
Fruchtgröße Klein (ca. 2–4 cm Durchmesser) Mittel bis groß (ca. 6–10 cm Durchmesser)
Wuchsform Dornige Kurztriebe, oft sträuchergroß oder kleiner Baum Dornenlos, als Hochstamm oder Niederstamm gezüchtet
Verwendung Unroher Genuss kaum möglich; früher für Gelierhilfe (viel Pektin) oder Most Direktverzehr, Saft, Backen, Lagerung
Ökologie & Status Seltene Zeigerpflanze, Baum des Jahres 2013, stark gefährdet Weltweit angebautes Nutzobst

Der Apfel gehört zu den ältesten Wild- und Kulturobstarten – schon die Äpfel Ramses II (1223 – 1290 v.Chr.) waren Züchtungen. Unter König Friederich von Preußen musste jedes Dorf Obstgehölze vorweisen.

Äpfel liegen im Trend – hinter Weintrauben, Zitrusfrüchten und Bananen rangieren sie auf dem vierten Platz in der Beliebtheitskala der Obstsorten.

Der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch an Äpfeln in Deutschland liegt bei etwa 20 bis 25 Kilogramm pro Person. Damit ist der Apfel unangefochten das beliebteste Obst der Deutschen.

  • Frischobst: Rund 18 bis 20 kg entfallen auf den direkten Verzehr von frischen Speiseäpfeln.

  • Verarbeitete Produkte: Der restliche Anteil wird in Form von Apfelsaft, Apfelmus, Apfelwein/Most oder Backwaren konsumiert.

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern liegt Deutschland beim Apfelkonsum im oberen Drittel. Zum Vergleich: In Österreich und der Schweiz liegt der Pro-Kopf-Verbrauch auf einem ähnlich hohen Niveau (ca. 20–24 kg pro Jahr)

Trotzdem büßen die Äpfel mehr und mehr an Vielfalt ein. Viele der alten Apfelsorten sind heute nur noch in der Genbank des Instituts für Pflanzengenetik in Dresden für Deutschland registriert. Während es 1882 noch 1264 Obssorten gab, sind heute noch ca. 30 Apfel- und Birnensorten im Handel.

Es gibt aber nach wie vor viele alte Obstsorten. Detailliertere Angaben sind derzeit nicht möglich, da die regionale Namenvielfalt für identische überregionale Sorten für Verwirrung sorgt.

Im Streuobstbau und in Hausgärten wird in Süddeutschland nach wie vor etwa doppelt so viel Obst geerntet wie im Erwerbsanbau.

Geschmacklich haben viele der bekannten Apfelsorten durchaus Tafelobstqualität. Der Befall mit Schorf führt jedoch dazu, dass erhebliche Anteile der im Streuobstbau geernteten Äpfel nicht als Tafelobst vermarktet werden können; synthetische Pflanzenschutzmittel werden ja hier nicht eingesetzt.

Die altbewährten Apfelsorten sind für diese Pilzkrankheit natürlich unterschiedlich anfällig. Da das Schorfproblem auch den Erwerbsanbau betrifft, hat man weltweit in der Züchtung enorme Anstrengungen unternommen, um schorfresistente Sorten auf den Markt zu bringen. Der Hauptgrund ist die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln und von Arbeitszeit für deren Ausbringung.
Als Tafelobst werden lediglich etwa 25 Sorten im Erwerbsobstbau kultiviert, von denen maximal noch sieben Apfelsorten (Boskoop, Cox Orange, Golden Delicious, Elstar, Gloster, Jonagold, Granny Smith) vorzugsweise vom Handel angeboten werden.
Die meisten der heute bekannten „klassischen“ Apfelsorten sind nicht viel mehr als 100 Jahre alt. Im 19. Jahrhundert wurde überall versucht, aus Zufallssämlingen ertragreiche, gutschmeckende Sorten mit knackigem Fruchtfleisch und ansprechendem Äusserem zu züchten.

Beispiele erfolgreicher Kreuzungen sind der Summerred (McIntosh x Golden) aus dem kanadischen Okanagan Valley und Rubinette (Golden x Cherry Cox).

Durch geschickte Kreuzungen von resistenten mit beliebten Sorten versuchen die Züchter, die Vorteile zu kombinieren und die Nachteile zu eliminieren. Zu den wichtigsten neueren Anbausorten gehören u.a. Summerred, Elstar, Gala, Idared, Maigold und Rubinette.

Die Züchtung war und ist allerdings vornehmlich auf den Einsatz im Erwerbsanbau ausgerichtet; dort haben sich manche Sorten wie z.B. Florina und Topaz (im Bioanbau) bereits bewährt.

Pinova beginnt sich im konventionellen Erwerbsanbau durchzusetzen.

Bis eine neue Sorte aber auf den Markt kommt, dauert es rund 20 Jahre. 1997 wurden die ersten schorf- und/oder mehltauresistenten Sorten mit realistischen Marktchancen in die Anbauempfehlungen aufgenommen.
Vielversprechende resistente Neuzüchtungen sind Resi, Ariwa und Topaz. Weil sie resistent gegen Schorf und/oder Mehltau sind, können sie mit weniger Pflanzenschutzmitteln produziert werden.