Die Geschichte des Apfelmostes (auch Viez, Äppelwoi oder Cidre genannt) reicht Jahrtausende zurück und ist eng mit der Kultivierung des Apfels und der Entwicklung von Konservierungsmethoden verbunden. Apfelmost ist ein traditionsreiches Getränk aus vergorenem Apfelsaft.
Das Wort „Most“ stammt vom lateinischen vinum mustum (junger Wein) ab, das die Römer für unvergorenen Traubensaft verwendeten.
Die Erfindung des reinen Apfelmostes wird historisch oft den Kelten und den Bewohnern der Normandie zugeschrieben.
Antike & Ursprünge
Ca. 1200 v. Chr. – 400 n. Chr.
Schon im antiken Nahen Osten sowie bei den Griechen und Römern war vergorener Apfelsaft bekannt. Der griechische Historiker Herodot berichtete von apfelweinähnlichen Getränken. Die Römer breiteten den Anbau veredelter Apfelsorten in ganz Mitteleuropa aus, da Most haltbarer war als frisches Wasser.
8. – 15. Jahrhundert
Karl der Große verfügte in der Verordnung Capitulare de villis (um 800 n. Chr.), dass auf den königlichen Gütern Mostmacher (siceratores) angestellt sein mussten. Klöster übernahmen das Wissen, kultivierten Obstgärten und nutzten den Most als Alltagsgetränk während der Fastenzeit.
Im deutschsprachigen Raum taucht das erste schriftliche Loblied auf den Most im Jahr 1240 vom Minnesänger Neidhart von Reuenthal auf.
Eine erste große Blütezeit erlebte der Mostbau im 16. Jahrhundert, besonders belegt durch Obstgärten (Baumgarten) in Regionen wie dem österreichischen Mostviertel oder der Buckligen Welt.
Im Mittelalter galt Most bei den Germanen und in der Bevölkerung oft als haltbarer „Obstwein“ und wichtiges Grundnahrungsmittel
Aufstieg zum Volksgetränk
16. – 18. Jahrhundert
Durch Klimaveränderungen („Kleine Eiszeit“) ging der Weinbau in Teilen Mitteleuropas zurück. Apfelbäume erwiesen sich als robuster. Der Apfelmost entwickelte sich vor allem in Süddeutschland, Osterreich, der Schweiz und Nordfrankreich zum preiswerten Hauptgetränk der Landbevölkerung.
Im 18. Jahrhundert förderten Herrscher den Obstbau aktiv. Kaiserin Maria Theresia ordnete die Anpflanzung von Streuobstbäumen an. Ihr Sohn Joseph II. belohnte Landwirte mit Medaillen oder machte das Setzen von Obstbäumen zur Auflage bei Hochzeiten, um die Ernährung und Getränkeversorgung zu sichern.
Wandel im 19. & 20. Jahrhundert
19. Jahrhundert – heute
Im 19. Jahrhundert war Most in vielen Regionen (wie in Teilen Süddeutschlands und Österreichs) das alltägliche Getränk der Landbevölkerung
Die Erfindung der Pasteurisation ermöglichte es, süßen Apfelsaft ohne Gärung haltbar zu machen. Der vergorene Most verlor vorübergehend an Popularität, erlebte jedoch als regionale Spezialität (z. B. Hessischer Apfelwein, Schweizer Most, Baskischer Cidre) eine Renaissance.
Regionale Eigenheiten:
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Hessen & Rheinland-Pfalz: Bekannt als Ebbelwoi oder Viez (abgeleitet vom lateinischen vice vinum – „Ersatzwein“).
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Süddeutschland, Österreich & Schweiz: Dort wird sowohl der frische, unvergorene Saft als auch der vergorene Apfelwein als Most bezeichnet.
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Frankreich & Großbritannien: Unter den Namen Cidre und Cider entwickelten sich eigene Traditionen mit teils süßeren oder stark kohlensäurehaltigen Varianten.