Damit diese sich im Laufe des Abends noch mehr steigerte, dafür sorgte vor allem auch das Urbacher Nationalgetränk. Most von sieben verschiedenen Herstellern wurde auch beim diesjährigen Mostseminar ausgeschenkt und prämiert. Sechs Moste und der Vespermost mundeten dabei den Seminarteilnehmern im wieder einmal ausverkauften Urbacher Schlosskeller ausgezeichnet. Obwohl durchaus unterschiedlich vom Geschmack und von der Zusammensetzung hatten alle Moste in diesem Jahr eines gemeinsam – eine sehr hohe Qualität.
Das bemerkte auch Dipl. Getränkeingenieur und Mostprofessor Hermann Beck, als es daran ging, die verkosteten Moste zu prämieren. Anders als in den meisten Jahren vorher, ging die Abstimmung der Gäste knapp aus. So landete in diesem Jahr der Most von Erwin Goisser aus Urbach gemeinsam mit dem Most von Eberhard Ziegler, Streich/Hegnauhof punktgleich auf Platz 1. Nachdem es deshalb keinen zweiten Platz gab, folgte auf Platz drei der stark mit Birnen angesetzte Most von Heiner Rube vom Wellingshof. Aber auch alle anderen Moste, die in der Endausscheidung waren, hätten das Zeug zu einem Siegermost gehabt. Mit dabei waren Paul Haaga, Uwe Muck, Matthias Ziegler und Helmut Ziegler (Vespermost) alle aus Urbach.

„Moschdprofessor“ Hermann Beck in Aktion
Damit es so gut gelingt, gab Hermann Beck den Profis und Neulingen in seiner bekannt humorigen Art wieder wertvolle Tipps, für den Ausbau des Mostes. Mostmachen sei eine heikle Sache, so Beck. Und selbst „alte Hasen“ könnten bestätigen, dass es manchmal nicht verständlich sei, warum im einen Jahr der Most super schmeckt und im anderen das Getränk so zäh wird, dass mr en mit dem Schürhoka, ´d Kellerstiag ruffzieha ká.
Eine Erklärung dafür sei, dass Mikroben, die meistens dann zuschlagen, wenn wir im Urlaub sind, dafür sorgen, „dass mancher Most einen harten Weg in Richtung Esslingen geht“. Dies geschieht vor allem dann, wenn die Rohware nicht absolut gesund ist oder das Fass nicht sauber. Wenn dann noch eine relativ hohe Kellertemperatur hinzukommt, feiern die Essigsäurebakterien fröhliche Urständ.
Frohe Kunde hingegen vermeldete Hermann Beck den Stücklesbesitzern, was den Preis für das Mostobst angeht. Wie er vermeldete, seien die Chinesen inzwischen auf den Geschmack gekommen, was den Apfelverbrauch angeht. Die 820.000 Tonnen Apfelsaftkonzentrat, mit denen China den Weltmarkt überschwemmt hatte (im Vergleich in ganz Europa wurden ca. 500.000 Tonnen produziert) wurden im letzten Jahr samt und sonders in China selbst gebraucht. Der Pro-Kopf-Verbrauch in China sei von 11,7 auf 19,2 kg hochgegangen, so dass der Preis für Apfelsaftkonzentrat von seinem Tiefststand von 71 Cent/kg auf jetzt 1,80 €/kg hinaufgegangen ist. Hermann Beck ist es deshalb guter Hoffnung, dass die relativ guten Preise für Mostobst aus dem vergangenen Jahr auch in diesem Jahr wieder Bestand haben werden.